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Hyperurikämie

EULAR 2019: Gichttherapie schützt Diabetiker-Nieren

Eine am diesjährigen europäischen Rheumakongress präsentierte Studie zeigt: Intensive Harnsäuresenkung könnte das Fortschreiten einer diabetischen Nephropathie verlangsamen.1

Hyperurikämie ist ein Hauptrisikofaktor für chronische Nierenerkrankungen – klinische Daten aus den vergangenen Jahren sprachen dafür, dass eine Senkung der Serumharnsäure die Nierenfunktion schützen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann. Eine am EULAR 2019 vorgestellte klinische Phase-IIa-Studie zeigte nun, dass eine Kombinationstherapie aus Verinurad und Febuxostat bei Typ-2-Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion sowohl Hyperurikämie als auch Albuminurie senken kann.1

Kombination aus Verinurad und Febuxostat

Verinurad ist ein Inhibitor des Harnsäure-Transporters URAT1 und wird derzeit zur Behandlung von Hyperurikämie und Nierenerkrankungen getestet. Febuxostat gehört zur Gruppe der Xanthinoxidasehemmer und wird zur Reduktion der Harnsäurespiegel bei Patienten mit Gicht und Hyperurikämie verwendet. Febuxostat wird bei Patienten empfohlen, die eine Senkung des Harnsäurespiegels unter den Zielwert mit Allopurinol entweder nicht erreichen oder Allopurinol nicht vertragen. Der Wirkstoff wird ausserdem oft bei niereninsuffizienten Patienten angewendet, da seine primäre Ausscheidung über die Leber erfolgt.2

Marker für Albuminurie um 39 Prozent und für Hyperurikämie um 57 Prozent gesunken

In die doppelblinde Studie wurden 60 Patienten mit Typ-2-Diabetes eingeschlossen, die Serumharnsäure-Werte von mindestens 6 mg/dl, eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (estimated Glomerular Filtration Rate, eGFR) von 30ml/min/1,73m2 oder darüber sowie ein Urin-Albumin/Kreatinin-Verhältnis (UACR) zwischen 30 und 3500mg/g aufwiesen. Patienten wurden randomisiert entweder mit 9mg Verinurad und 80mg Febuxostat behandelt oder erhielten eine Placebobehandlung. Es wurden zudem nur Patienten ohne bekannte Vorgeschichte mit Gicht und ohne rezente Behandlung mit harnsenkender Therapie eingeschlossen.1

Mit einer 39-prozentigen Senkung des UACR  erreichte die Studie nach 12 Wochen mit der Kombinationsbehandlung ihren primären Endpunkt gegenüber Placebo (p=0,07). Zu diesem Zeitpunkt war die Serumharnsäure in der Behandlungsgruppe ausserdem durchschnittlich um 57 Prozent gesunken – in der Placebogruppe war er dagegen um 7 Prozent angestiegen (p<0,0001). Dieser Effekt konnte bis 24 Wochen nach Behandlungsbeginn aufrechterhalten werden: Die Serumharnsäure war zu diesem Zeitpunkt in der Behandlungsgruppe noch um 62 Prozent reduziert, während in der Kontrollgruppe ein 5-prozentiger Anstieg verzeichnet wurde (p<0,0001). Auf die eGFR hatte die Behandlung keinen signifikanten Einfluss.1

Die meisten behandlungsbedingten Nebenwirkungen wurden als mild oder moderat eingestuft. Mehr als ein Patient berichtete in der Behandlungsgruppe über Durchfall, Schwindelgefühl und Nasopharyngitis. Zudem wurde bei einem Patienten in der Behandlungsgruppe ein Aufflammen der Gicht beobachtet.1

Erstautor Robert Terkeltaub, MD, University of California San Diego, USA, räumte in einer Pressekonferenz ein, dass es sich um sehr frühe klinische Beobachtungen und eine kleine Patientengruppe handelt, ist aber ob der schnellen und lang anhaltenden Reduktion der Hyperurikämie und Albuminurie optimistisch. Weitere Studien zur Bestätigung der Wirksamkeit der Harnsäuresenkung mit Verinurad und Xanthinoxidasehemmern bei chronischen Nierenerkrankungen sind geplant.

Quelle

Annual European Congress of Rheumatology (EULAR 2019), Madrid, Spanien, 12.–15. Juni 2019

1 Terkeltaub R et al. Urate-Lowering Therapy With Verinurad And Febuxostat Reduces Serum Uric Acid And Albuminuria In Hyperuricemic Patients With Diabetes. EULAR 2019; Madrid: Abstract OP0207.

2 Richette P, Doherty M, Pascual E et al. 2016 updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout. Ann Rheum Dis. 2017; 76: 29–42.

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