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Herz und Hirn. Scholl und Zawrel

So schnell kann man gar nicht schauen heutzutage, da schreibt schon wieder jemand über «Untermenschen». Natürlich wieder nur ein bedauerlicher Einzelfall und ganz ohne Hintergedanken. Die Menschheit kann sich glücklich schätzen, dass es auch Menschen mit Herz und Hirn gibt. Immer wieder. Vor 75 Jahren, am 22. Februar 1943, wurden die Geschwister Sophie und Hans Scholl zum Tode verurteilt und hingerichtet. Unter dem Namen «Die Weisse Rose» haben sie sich mit anderen engagiert, Widerstand geleistet. Hans Scholl war Medizinstudent, wurde als Sanitäter in den Krieg eingezogen und setzte mit der Gründung der Weissen Rose ein wichtiges Zeichen der Menschlichkeit im Umfeld des Mitläufertums.

Schande für den Ärztestand

Vor drei Jahren, am 20. Februar 2015, starb Friedrich Zawrel. Erbbiologisch und sozial minderwertig, so wurde er klassifiziert in den 1940er Jahren! Zawrel überlebte als Kind das Euthanasie- Programm, welches damals unter anderem im Wiener «Krankenhaus» Am Spiegelgrund auf äusserst brutale Weise durchgeführt wurde. Einer der damals zuständigen «Ärzte» überlebte diese Jahre auch. Höchst angesehen, in der Nachkriegszeit hochgelobt, hochdekoriert, vielbeschäftigt als Gerichtsgutachter. Eine Schande für den Ärztestand. Die Mithilfe an damaligen Morden konnte ihm nachgewiesen werden, einer Verurteilung entzog er sich feig. Dass wir den Namen Friedrich Zawrel heute noch kennen, verdanken wir engagierten Menschen – und der Kunst. Der Arzt Werner Vogt hat tatkräftig mitgeholfen, dass sich die Wahrheit durchsetzen konnte. Und der Regisseur und Puppenspieler Nikolaus Habjan hat Herrn Zawrel mit dem einzigartigen Stück «F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig» ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Schauen Sie sich das an!

Friedrich Zawrel war bis zuletzt als Zeitzeuge in Schulen unterwegs. Die Zeitzeugen werden immer weniger – dabei brauchen wir sie so dringend, wie wir jetzt nahezu täglich feststellen können. Aber wir haben die Kunst! Als Mensch zutiefst berührt, als Arzt ebenso tief erschüttert, sage ich nur: eindrücklichstes Theater, in Graz, Wien und auf DVD zu sehen. Schauen Sie sich das an! Bitte.

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