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Arzt mit Engagement: Ein Lächeln für Madagaskar

Seit 2008 reist der plastische Chirurg Ingo Plötzeneder Jahr für Jahr mehrere Wochen nach Madagaskar, um gemeinsam mit Kollegen zu helfen und Menschen dringend benötigte Operationen vor Ort zu ermöglichen. Mit dem modernen Krankenhausalltag hat das unentgeltliche Engagement wenig gemein. (CliniCum 3/18)

Mit einem modernen OP-Saal hat der «Arbeitsplatz» des smile4-Health-Teams in Madagaskar wenig gemein. Das Notwendigste, das gebraucht wird, bringen die Chirurgen, Anästhesisten und OP-Helfer selbst mit, der Rest wird vor Ort improvisiert.
Mit einem modernen OP-Saal hat der «Arbeitsplatz» des smile4-Health-Teams in Madagaskar wenig gemein. Das Notwendigste, das gebraucht wird, bringen die Chirurgen, Anästhesisten und OP-Helfer selbst mit, der Rest wird vor Ort improvisiert.

«Komplexe chirurgische Eingriffe gehören in unseren modernen Krankenhäusern zum täglichen Brot», ­erzählt Dr. Ingo Plötzeneder bei einem gemeinsamen Mittagessen in der Kantine des LKH Feldkirch, wo er als Oberarzt in der Abteilung für Plas­tische Chirurgie tätig ist. Die an­gewandten Techniken hätten sich etabliert, schwere Komplikationen seien äusserst selten. «Genauso gehören Narkosen mit modernen Medikamenten und verlässlichen Geräten bei uns zum Standard.» Die Chancen auf eine solche zeitgemässe medizinische Behandlung sind für Menschen in Ländern wie zum Beispiel Madagaskar hingegen «gering bis nicht vorhanden. Ein Spitalsaufenthalt und eine Operation sind für die meisten Menschen dort unerreichbar», musste Plötzeneder bei mehreren privaten Aufenthalten im «Ferienparadies» feststellen. Im Gegensatz zu den durchwegs wohlhabenden Touristen verfügen etwa 70 Prozent der 20 Millionen Einwohner über ein Tageseinkommen von weniger als einem Euro. Abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten fehlt es auf der Insel vielerorts aber auch an den medizinisch-technischen Möglichkeiten.

Ehrenamtliches Engagement

Foto: PrivatStatt sich angesichts solcher Ungleichheiten in ein schlechtes Gewissen zu flüchten, beschloss der Arzt lieber, selbst zu helfen. Kaum zurück in Vorarlberg, gründete er gemeinsam mit Freunden «smile4 Health». Der Verein stellte sich die Aufgabe, «den madegassischen Menschen eine Chance zu geben, ihrem Leid zu entkommen». Daneben gibt es die ursprüngliche Ausrichtung «smile4 Nature» und seit 2012 auch «smile4 Children». Seither macht sich das smile4-Health-Team Jahr für Jahr unter der Leitung Plötzeneders auf den Weg nach Madagaskar, um in vier Krankenhäusern täglich von Sonnenauf- bis -Untergang zu operieren, zu versorgen und zu helfen. Seit Anfang an immer mit dabei im Team sind der Anästhesist OA Dr. Martin Dorner vom LKH Bregenz und der Krankenpfleger Markus Bitsche aus der Anästhesie-Abteilung des LKH Feldkirch. «Sämtliche Mitglieder des Teams stellen jeweils zwei bis drei Wochen ihres Urlaubs zur Verfügung, alle arbeiten ehrenamtlich», wie Plötzeneder betont.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Verbrennungen, Tumoren

Schwerpunktmässig werden einerseits angeborene Lippen-Kiefer-­Gaumenspalten operativ korrigiert, weil es dafür im ganzen Land keine adäquate Behandlung gibt, ander­erseits die Folgen schwerer Verbrennungen. «Mithilfe plastisch-chirur­gischer Eingriffe und Hauttransplantationen können wir schwere Verbrennungskontrakturen, sehr häufig im Gesicht, aber auch an den Händen, die in der Folge zum völligen Funktionsverlust führen, behandeln und die Funktionsfähigkeit wiederherstellen», erzählt der engagierte Mediziner. Ein weiteres schwieriges Einsatzgebiet des smile4-Health-Teams ist die Entfernung von Weichteiltumoren.

150 Euro für eine Operation

Bisher wurden insgesamt schon über 2.500 Menschen behandelt und mehr als 1.000 Operationen durchgeführt. «Durchschnittlich kostet eine Opera­tion 150 Euro», rechnet Plötzeneder vor, «aufgrund des hohen Engagements aller Helfer liegt der Verwaltungsaufwand bei unter 0,3 Prozent der Gesamtkosten. Die dafür notwendigen Mittel trägt der Verein durch verschiedene Aktivitäten im Laufe des Jahres zusammen, etwa durch Vortragshonorare, Benefizveranstaltungen oder über private Spenden. Auch das LKH Feldkirch unterstützt das Team mit Sachspenden, die vor Ort dringend benötigt werden, erzählt Plötzeneder: «In Madagaskar operieren wir in improvisierten OP-Räumen, die über keinerlei Gerätschaften oder medizinische Instrumente verfügen. Wir müssen alles selbst mitbringen, was wir benötigen.»

Das smile4-Health-Team (gemeinsam mit ihren Helfern vor Ort) während ihres bislang letzten Einsatzes in Madagaskar 2017
Das smile4-Health-Team (gemeinsam mit ihren Helfern vor Ort) während ihres bislang letzten Einsatzes in Madagaskar 2017

Der nächste Aufenthalt ist für Oktober 2018 geplant, die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Apropos Vorbereitung: Wie und nach welchen Kriterien werden die Patienten ausgesucht, wollten wir von Plötzen­eder wissen: «Wir haben einige Kooperationsärzte vor Ort, die unsere Aufenthalte vorbereiten und auch schon vorselektionieren.» Die entscheidende Selektion erfolgt aber dann durch das Team selbst nach den Kriterien «medizinische Notwendigkeit, Kapazität und Erfolgsaussicht. Grundsätzlich schauen wir aber, dass jeder, bei dem es medizinisch Sinn macht, auch drankommt.» Neben der direkten medizinischen Hilfe im OP-Saal hat sich smile4 Health ausserdem zum Ziel gesetzt, die Aufenthalte der Spezialisten vor Ort auch dazu zu nutzen, um einheimische Ärzte und Pfleger zu schulen, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben.

Weitere Informationen und Möglichkeit zur Unterstützung unter: www.smile4.at

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